Meine Begeisterung für die Materie Holz und die Liebe zur Natur und Wasser haben mich vor 10 Jahren dazu inspiriert, ein eigenes Kanu zu bauen. Nach der intensiven Studie eines Kanubuches habe ich mir die entsprechenden Kanu Baupläne organisiert und das notwendige Material zusammengesucht. Bemerkenswert finde ich bis heute, dass bei der Herstellung keine einzige Metallschraube oder Metallverbindung für den Rumpf verwendet wird. Einzig die Sitzflächen werden durch Gewindestangen in Position gehalten.
Vorbereitung und Materialbeschaffung
Als erstes machte ich mich auf die Suche nach einem Balken aus Zedernholz. Dieses Holz zeichnet sich durch seine Leichtigkeit und seinen typischen Geruch aus. Noch heute versetzt mich das Spitzen eines Bleistifts in die Werkstatt zurück. Der Zedernholzbalken musste fünf Meter lang sein, ein feine Maserung aufweisen und durfte keine Äste enthalten. Noch in der Sägerei wurde der Balken in 8 mm dicke und 33 mm breite Latten gesägt, die dann von mir auf 6 mm gehobelt und mit einer Hohlkehlung versehen wurden.
Anhand der Pläne habe ich eine Negativschablone erstellt. Diese musste stabil auf den Boden aufgeklebt werden, denn ein Verrutschen während der Bauphase wäre fatal gewesen. Schritt für Schritt habe ich nach den Plänen gearbeitet, eigene Erfahrungen gesammelt und wo immer möglich mein Hintergrundwissen als Zimmermann einfliessen lassen.




Feinschliff und Glasfaserbeschichtung
Für die Stabilität und Versteifung des Rumpfes habe ich mit einem speziellen Glasfasergewebe und dem entsprechenden 2-Komponenten Epoxidharz gearbeitet, welche oft im Bootsbau verwendet werden. Eine der grössten Herausforderungen war das Auftragen des Epoxidharzes, da dies sehr genaues Arbeiten erforderte. Einmal begonnen, kann diese Phase nicht mehr abgebrochen werden. Besonders faszinierend war beobachten zu können, wie das weisse Glasfasergewebe langsam transparent wird und das Holz leuchtend zur Geltung kommt.




Detailarbeiten aus Eschenholz
Jetzt erfolgten noch diverse Detailarbeiten. Für die Details habe ich mit Eschenholz gearbeitet. Um das Eschenholz auf die Rundung an Bug und Kiel anzupassen, musste ich es dämpfen. Dafür habe ich aus einem alten Topf eine eigene Dämpfanlage gebaut. Der Tragholm, das Bug- und Heckdeck und die Scheuerkanten habe ich mit viel Liebe gestaltet. Zum Glück haben sich im Laufe der Jahre zahlreiche Schraubzwingen für die Fixierung angesammelt. Das Schleifen des Rumpfes war ein Genuss, da die harmonische Form des Kanus dabei immer mehr zur Geltung kam.




Auftragen des Bootslacks
Das geschliffene Boot war nun optisch sehr matt. Erst durch das mehrmalige Auftragen des Bootslacks kam die Maserung des Zedernholzes so richtig schön zur Geltung. Besonders wichtig war bei diesem Prozess, dass die richtige Menge Lack aufgetragen wurde. Gerade genug, dass die Oberfläche satt und glänzend wirkt, die natürliche Optik aber erhalten bleibt. Das Gesamtgewicht des Kanus beläuft sich auf 20 Kilogramm. Dank des Tragholms kann das Kanu auch durch eine Person alleine getragen werden. Die Paddel hatte ich aus den selben Materialien angefertigt und zum Abschluss mehrfach lackiert.




Jungfernfahrt und Kanutaufe
Nach ca. 150 Stunden Arbeit konnten wir die Jungfernfahrt antreten. Mit grosser Freude haben wir festgestellt, dass das Kanu sehr stabil ist, laufruhig im Wasser liegt und vor allem auch dicht ist. Durch die lautlose Fortbewegung auf dem Wasser konnten wir schon viele Tiere beobachten. Dank der stolzen Nutzlast von 220 Kilogramm hat es unsere Familie und die Picknicktaschen immer zuverlässig an die schönsten Orte gebracht.
Kanuverkauf an Liebhaber
Fünf Jahre später habe ich mich an den Bau eines zweiten Kanus gewagt. Da wir jedoch keine zwei Holzkanus brauchten, verkaufte ich das Erste an einen Liebhaber. Wer weiss, jetzt sind wieder fünf Jahre vergangen und die Idee erneut ein Kanu zu bauen reizt mich sehr. Habe ich Ihr Interesse geweckt?